Walks Amok
von Carsten
Winnenden, März 2009. Ein Siebzehnjähriger läuft Amok, erschießt an seiner ehemaligen Schule fünfzehn Menschen, danach sich selbst.
Nach der Tat fängt die große Ursachensuche an. Relativ schnell ist der/das Schuldige gefunden. Killerspiele und Internet. Ein angeblicher Foreneintrag des Amokläufers in dem er die Tata ankündigt ist schnell gefunden.Doch leider stellt sich heraus, es ist eine Ente. Internet wird als Tatmotiv uninteressant, neue Dinge, die nicht verstanden werden müssen herhalten – Killerspiele. Es hagelt rufe nach Verboten. Unendlich dumme Aussagen über Computerspiele folgen. Auf dem Rechner des Jungen wird schließlich ein Killerspiel gefunden. So einfach kann es sein.
Schauen wir mal kurz in die traurige Historie der deutschen Amokläufe und suchen nach dem Killerspielmotiv:
1. Juni 1964, Volkhoven : Ein geistesgestörter Invalide tötet in einer Schule im nordrhein-westfälischen Volkhoven mit einem selbstgebastelten Flammenwerfer zehn Menschen und verletzt zwanzig weitere. Der Täter vergiftet sich danach mit einem Pflanzenschutzmittel.
1964? Killerspiele? Wohl kaum!
20. August 1974, Neunkirchen : Ein kaufmännischer Angestellter tötet bei einem Amoklauf in Neunkirchen im Saarland fünf Menschen mit Pistolenschüssen und verübt danach Selbstmord
1974. Killerspiele? Wohl kaum!
3. Juni 1983, Eppstein-Vockenhausen : Ein Mann bringt in einer Schule im hessichen Eppstein- Vockenhausen drei Schüler, einen Lehrer und einen Polizisten mit Schüssen um, 14 weitere Schüler werden verletzt. Der Täter richtet die Waffe gegen sich selbst.
1983. Spiele gibt es bereits, aber wegen Pong oder Pac Man läuft keiner Amok!
29. August 1985, Karlsruhe : Ein 32jähriger Mann erschießt bei einer Amokfahrt durch mehrere Karlsruher Vororte fünf Menschen; vier weitere werden zum Teil schwer verletzt.
Auch bei diesem Fall schließe ich ein Spiel wie Grand Theft Auto aus.
1.April 1997 Reilingen : Eine Tote und sieben zum Teil schwer Verletzte hinterlässt ein 25jähriger US-Amerikaner nach einem vermutlich durch ein Beziehungsdrama mit seiner 25jährigen Freundin ausgelösten Amoklauf im baden-württembergischen Reilingen.
Das Tatmotiv ist kein Computerspiel.
15. Juni 1998, Ribnitz-Damgarten : Ein 55jähriger läuft wegen Streitigkeiten in seinem Schützenverein Amok. Er tötet zwei Menschen und verletzt zwei weitere, bei der Verhaftung begeht der Mann Selbstmord.
Killerspiel? Fehlanzeige!
16. Mai 1999, Dillingen : In Dillingen schießt der 36-jährige Amokläufer Hermann Günter Ewen in einem Tanzlokal wahllos um sich und trifft zwei Menschen tödlich. Anschließend geht er zur Wohnung eines Bekannten und erschießt diesen und dessen Frau. Im französischen Grenzort Siereck-les-Baines dringt er in ein Wohnhaus ein und verletzt den Wohnungsinhaber tödlich. Der Amokläufer richtet sich am nächsten Tag selbst in einem Hotel in Luxemburg. Elf Menschen werden zum Teil schwer verletzt.
1999 wir nähern uns fast realistischen Computerspielen! Doch denkt auch hier niemand an ein Killerspiel als Motiv.
Es gibt noch weitere Amokläufe bis heute. Hier ist eine kleine Auflistung zu finden (Quelle der Zitate oben). Meiner Meinung nach ist keiner dieser Amokläufe in irgendwelchen Computerspielen geübt und geplant worden. Doch sind diese Menschen trotzdem, aus irgendeinen für uns nichtigen Grund, plötzlich Amok gelaufen. Wie hat man das damals versucht zu erklären? Was wollte man damals verbieten? Diese Menschen hatten ein Problem. Niemand hat das erkannt, oder wollte das erkennen. Ein Computerspiel reicht nicht um ein solches Verhalten auszulösen. Ginge es danach, müsste ich schon zig male Amok gelaufen sein, denn ich Spiele Computerspiele seit Kindesbeinen an. Darunter waren auch etliche Killerspiele. Ich bin auch nicht gerne zur Schule gegangen, hatte aber viele Freunde, wurde nicht gemobbt, hatte fürhsorgliche Eltern, etc. Evtl. Sollte man in diesen Bereich mal genau nach einem Motiv suchen. Alles andere sind fadenscheinige Ausreden.
Mein Mitgefühl gilt den Angehörigen der Opfer. Auch den Eltern des Täters. Und ich hoffe, dass die scheinheilige Diskussion über Killerspiele als Motiv bald ein Ende hat und endlich mal über das überholte Schulsystem gesprochen wird. Da sehe ich eher ein Motiv.
PS: Der Titel des Eintrags bezieht sich auf den Song Tink walks Amok von Frank Zappa.
Keiner wird gewinnenenden
Tim K. hat es geschafft. Er ziert die Schlagzeilen der Zeitungen und Fernseh”nachrichten”, ganz ohne dafür die Hilfe von Dieter “Tittificki” Bohlens sonderbarer Castingshow DSDS “Deutschland sucht den Superschrott” in Anspruch zu nehmen. Der Presse sei Dank steht er jetzt im Olymp der derzeit bekanntesten Deutschen.
Ich hingegen wäre damals wohl bloß in die Statistik eingeflossen. Hätte dabei aber weniger Schaden bei unbeteiligten angerichtet.
Aber so bekommt man natürlich seine 15 Minuten Ruhm. Widerlich, wenn so etwas nötig ist.